Der Kanton Glarus baut künftig vermehrt mit heimischem Holz. Foto: Sarah Lötscher, Pixabay

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Bürgerliche hadern mit Holzbaustrategie

Die Grüne Fraktion im Kanton Glarus möchte bei Infrastrukturbauten wie Brücken vermehrt Holz einsetzen. Nur ein Teil der Bürgerlichen im Landrat unterstützte diese Forderung.

Die Mehrheit des Landrats von Glarus möchte Holz künftig verstärkt als Baumaterial nutzen. Die Initiative ging dabei von der Grünen Fraktion aus. Die bürgerlichen Landräte unterstützten das Ansinnen nur teilweise. Im Februar hatte die Grüne Fraktion den Regierungsrat mit einem Postulat aufgefordert, aufzuzeigen, wie Holz bei kantonalen Bauprojekten verstärkt eingesetzt werden kann. Dabei hatten die Postulanten neben Hochbauten auch Infrastrukturprojekte wie Brücken im Auge. Zudem wollte die Fraktion wissen, wie der Einsatz von Holz bei Privatbauten über den Energiefonds gefördert werden kann. Die Grünen verwiesen auf den hohen CO2-Ausstoss bei der Zementherstellung und die bekannte CO2-Speicherwirkung von Holz.

Der Glarner Regierungsrat wollte sich mit dem Thema jedoch nicht wirklich beschäftigen. Den Postulanten teilte er in einer kurzen Antwort mit, dass Holz bei Infrastrukturbauten wie dem Strassenbau aufgrund von Problemen mit der Feuchtigkeit nur begrenzt einsetzbar sei. Zudem sei bei Brückenkonstruktionen meist nur verleimtes Brettschichtholz einsetzbar, bei dessen Herstellung dreimal so viel CO2 entstehe wie bei Holzbalken oder Brettern. Die Grünen wollten sich mit dieser Erklärung nicht abfinden und forderten von der Regierung einen ausführlichen Bericht und eine wirkliche Auseinandersetzung mit den aktuellen Möglichkeiten des Holzbaus. 

Bürgerliche wollten Postulat versenken

Pikant ist, dass die bürgerlichen Parteien im Landrat dazu tendierten, ihrem Regierungsrat zu folgen und das Postulat abzuschreiben. Dies, obwohl die Bürgerlichen bis hin zur SVP sich in anderen Landesparlamenten und auf Bundesebene für das Bauen mit einheimischem Holz einsetzen (Wald und Holz berichtete). 

«Das Postulat wurde wahrscheinlich von der falschen Seite eingereicht», sagt dazu der Vizepräsident von Wald Glarnerland, Dominique Stüssi. Die Vorbehalte vieler bürgerlicher Landräte sind umso erstaunlicher, als ein grosser Teil der Wälder im Kanton Glarus im Besitz von Gemeinden und 
Korporationen ist. 

Der Präsident von Wald Glarnerland, Mathias Vögeli, erklärt, es habe intensiver Überzeugungsarbeit bedurft, um im überwiegend bürgerlichen Landrat eine Mehrheit für die Überweisung des Holzbau-Postulats zusammenzubekommen. «Wenn ich im Mitte-Lager nicht nachdrücklich für das Postulat geworben hätte, wäre es sang- und klanglos untergegangen», so Vögeli. Bei der Diskussion im Landrat verwies Vögeli unter anderem auf den Schweizerischen Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) und dessen Spezialpublikation zu Holzbrücken und anderen leistungsfähigen und klimaneutralen Holzbauten. Die Aufforderung 
an den Regierungsrat, sich intensiver mit den Möglichkeiten des Holzbaus auseinanderzusetzen, wurde schliesslich vom Landrat mit 30 gegen 22 Stimmen angenommen. (Anita Merkt)

 

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